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Leseprobe: Schimmernde Momente - Herrin sucht Sklaven

1.

„Sadistisches Biest sucht großen, schlanken, selbstbewußten Sklaven, um ihn nach - ihrer und seiner - Herzenslust zu quälen.“

Ich war ja schon einiges gewohnt, was die Antworten auf meine Anzeigen anging. Aber diese Zuschrift übertraf alles. Ohne mich je auch nur gesehen zu haben, schrieb dieser Mensch mir einen der heißesten Liebesbriefe, die ich je in meinem Leben bekommen habe.
Formal stimmte auch alles: Er sprach mich mit Herrin an, siezte mich, verstreute haufenweise „demütigst“ im Text, teilte mir seinen vollen Namen einschließlich diverser Telefonnummern (Festnetz, Handy, Bürodurchwahl) mit, versprach mir alles, erwartete - angeblich - nichts, erbat nichts. Nur das Bild fehlte. Ich mochte mir kaum eingestehen, wie sehr mich gerade dieser Brief erregte. Und antwortete schon deshalb nur auf die beiden anderen, die wenigstens halbwegs interessant waren. Verfrachtete alle anderen mit spitzen Fingern in den Papierkorb. Auch seinen.

Wie es nun einmal meine Art ist, ließ ich die beiden ausgewählten Kandidaten erst einmal vier Wochen lang zappeln. Während dieser Zeit durften sie mir lediglich jeden Tag schreiben.

Ein grausam schweres Ansinnen? Nun, wem es nicht einmal gelingt, über einen so kurzen Zeitraum täglich wenigstens einen reizvollen Brief zu schreiben, wie soll der meinen Geist so fesseln, daß es mir gelingt, mir für ihn immer wieder neue, ausreichend schmerzhafte Methoden der Fesselung seines Körpers auszudenken ...

Diesen Test überstanden beide ganz gut.

Daraufhin erlaubte ich ihnen ein erstes Telefonat.

Das bedeutete für einen von ihnen bereits das Ende des Kontaktes, denn sein Dialekt war grauenhaft.

Der zweite durfte mich während weiterer vier Wochen regelmäßig anrufen – natürlich ohne einen Dispens von der Verpflichtung, mir jeden Tag zu schreiben -, und danach war ich bereit, mich mit ihm in einem Café zu treffen.

Schlecht sah er ja nicht aus, der liebe Rainer. Bei seiner Größe allerdings hatte er wohl ein wenig gemogelt; wäre er tatsächlich 1,90 m gewesen, wie er geschrieben hatte, hätte er mich schlichtweg um wenigstens 6 cm überragen müssen - und er war höchstens gleich groß.

Dicker Minuspunkt!

Blumen hatte er auch keine mitgebracht. Weiterer Minuspunkt.

Und als sich dann im Laufe des Gespräches herausstellte, daß er verheiratet war - wovon er bisher kein Wort verraten hatte -, rief ich die Kellnerin heran, bezahlte für uns beide, stand auf und verabschiedete mich lächelnd, aber endgültig.

Was nun?

Eine neue Anzeige aufgeben?

Mich wieder mit 87 Zuschriften herumschlagen, die meisten davon mit grauenhaften Rechtschreibfehlern, die wenigsten so, wie es sich für die Zuschrift eines devoten Sklavenanwärters nun einmal gehört? Mir dutzendweise langweilige Paßfotos ansehen von kahlköpfigen, dickbäuchigen Bewerbern mit gelben Zähnen?

Oh nein!

Die Erregung, die diese ganzen 08/15-Typen in mir hervorrufen, die kann ich mir allemal noch zehnmal besser selbst machen. Und im Gegensatz zu den meisten Männern weiß ich auch, wie ich die Erregung dann am angenehmsten befriedige.

Also zurück ins fröhliche Single-Leben!

Drei Tage später wartete abends ein Brief auf mich. Mr. Liebesbrief persönlich erlaubte sich, in aller Demut nachzufragen, ob es ihm gestattet sei, sich in Erinnerung zu bringen.
Meine erste Reaktion war absolute Empörung. Was erlaubte der sich eigentlich! Wenn er für mich in Frage käme, hätte ich ihm schon geantwortet!

Danach machte sich eine Gänsehaut in mir breit. Es war, als ob er genau gewußt hätte, daß ich mit den beiden anderen Kandidaten durch war und nun bereit für einen weiteren Vorstoß von seiner Seite.

Bevor ich mich womöglich tiefer mit diesem seltsamen Gefühl beschäftigen konnte, schrieb ich ihm kurz und knapp zurück, daß ich nur vorschriftsmäßige Bewerbungen akzeptiere. Kaum war ich zurück vom Briefkasten, ärgerte ich mich gewaltig über mich selbst. Viel deutlicher als mit dieser schnellen Antwort hätte ich ihm nicht zeigen können, wie sehr er mich interessierte.

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