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Leseprobe: Kreise eines Sommers

Mein Mund schließt sich um das Zentrum seiner Lust, und meine Zunge spielt um die Unebenheiten an der Spitze, bis das heiße Pulsieren eine Bewegung seiner Hüften auslöst, viel später ein erstes Stöhnen, und endlich eine Weichheit seiner Haltung, seiner Hände gegen meine Wangen, wie ich sie mir ersehnt habe.

Er lässt mich nicht zu Ende kommen.
Mittendrin greifen seine Finger nach meinen Haaren, halten meinen Kopf zurück, dass das Ziehen mir die Tränen in die Augen schießen lässt. "Warte," sagt er, schlüpft aus Hose und Unterhose, verlässt erneut den Raum, kommt zurück mit den Klammern, deren Anblick noch immer Unbehagen auslöst, und zwei Knäuel Seil.

Er zieht mich aus, legt mir die Klammern an.
Oh Gott, an den Beginn dieses Drucks, bis nach dem ersten Zucken das andere kommt, das schmerzhafte Wohlgefühl, werde ich mich nie gewöhnen. Rasch fesselt er meine Arme hinter dem Rücken, schlingt die Enden um meinen Oberkörper und zieht ihn daran herab, bis ich gebückt dastehe wie bei einer Rumpfbeuge, verankert alles an meinen Fußgelenken.

Diesmal gibt es keine liebevolle Vorbereitung meiner Haut; er setzt gleich die Gerte ein.
Hart.
Sehr hart.
Ich denke, ich werde es jetzt erleben, wie das ist, wenn er in Wut zuschlägt. In einer Wut, die ich selbst hervorgerufen habe.

Ein paar Augenblicke lang überfällt mich die Erinnerung an die sinnlose Prügelei Deinars. Nur ist alles noch schlimmer, weil das Brennen meiner Rückseite begleitet ist von einem Brennen meiner Brüste, und beides ist auf eine magische Weise miteinander verbunden.
Es verstärkt sich das eine, wenn ich dem anderen ausweichen will.

Dadurch, dass es zwei verschiedene Stellen sind, in die der Schmerz seine Krallen schlägt, ist er wie das Rollen einer Kugel in einem bewegten, geschlossenen Raum.
Es gibt kein Entkommen, nur immer neue Stöße an einer undurchdringlichen Wand.
Ich kann nicht meine Seele einpacken und meinen Körper zurücklassen.

Eine Zelle nach der anderen vergeht in weißglühenden Explosionen, hinterlässt rohe Haut, in die sich Leder und Metall unerbittlich weiter vorarbeiten. Nur noch in der Mitte meines Körpers gibt es einen geschützten kleinen Bereich, der unberührt bleibt von dem qualvollen Zucken der letzten Botschaften, die die gepeinigten Nervenenden aussenden, aber der Bereich verkleinert sich ständig.

Bis plötzlich etwas Merkwürdiges passiert. So unvermittelt, dass ich es zunächst gar nicht registriere.
Der Schmerz ist weg; verschwunden, als hätten die Hiebe die Kapsel eines Betäubungsmittels zerstört, das nun zu wirken beginnt.
Pure Wärme füllt mich, die alle Poren öffnet und sie überschüttet mit Wohlgefühl in einer Intensität, wie ich sie zuvor nie erlebt habe.
Ganz schwer und weich ist alles; wie nach der Sauna, aber nicht wie dort mit befriedigter Erschöpfung, sondern mit einer prickelnden Lebendigkeit.

Einen Moment lang ist es ein demütigender Stich, als er mich von hinten nimmt, in dieser Lage, gefesselt, mit den Klammern, und es ist auch eine Störung.
Er hat mich einen Berg hinaufgetrieben, mit der Gerte, und gerade jetzt, wo ich auf dem Plateau angekommen bin, ganz oben, in einer dünnen Luft, die schwindelig macht, in der freudigen Abgeklärtheit, den Gipfel erreicht zu haben, gerade da holt er mich wieder herunter, bricht ein in die warme Kugel, die mich umhüllt, und die er mir gegeben hat.

Zitternd verharre ich eine winzige Unendlichkeit lang zwischen Nachgeben und Protest, verkrampfe mich, spüre, wie sehr ich noch am Anfang des Weges stehe, der mich irgendwann einmal zur Hingabe führen wird.

Wenn er nur ein Wort sagen würde; doch er bleibt stumm.

Bis ich endlich begreife.
Das erste Mal hat er mich mit der Erklärung seiner Liebe über die Schwelle getragen. Jetzt erwartet er, dass ich sie übertrete; selbständig und allein.
Und wenn es noch so wenig ist, ich habe mich schon längst vom Anfang entfernt.
Er erwartet mehr von mir; er unterstützt mich weniger bei den mühsamen Schritten.

Und ich kann sie gehen, diese Schritte. Ich kann, und ich will.
Ein überwältigendes Glücksgefühl erfasst mich und verwandelt meine bleischweren Beine in Flügel.
Mehr noch das als die zärtliche Entschiedenheit, ihn nicht zu enttäuschen, hebt mich auf und lässt mich schweben.

Erst in der Rückschau, nachdem ein letzter harter Stoß das bebende Innehalten bei ihm auslöst, das die Zeit still stehen lässt für ihn und für mich, wird mir bewusst, ich habe sie nicht einmal bemerkt, die Schwelle, die ich hinter mir gelassen habe.

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