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Leseprobe: Schimmernde Momente IV

1.

Seufzend tastete ich im Halbschlaf nach Sarah. Das war bereits das siebte Mal, daß sie mich in dieser Nacht weckte.

Vielleicht war eine Erkältung im Anmarsch oder sonst etwas. Denn mit acht Wochen hatte sie vor kurzem endlich begonnen, wenigstens von kurz nach Mitternacht bis fast sechs Uhr morgens durchzuschlafen. Aber anscheinend war das nur eine sehr vorübergehende Phase gewesen.

Niemand, der es nicht selbst erlebt hat, weiß, wie furchtbar, unnennbar, bis auf das Mark in den Knochen müde frischgebackene Eltern in den meisten Fällen sind. Ich schlief noch während des Stillens wieder ein, wachte erst auf, als Andreas Sarah sanft herunternahm, um ihr eine frische Windel zu geben.

Er war nackt, und das Spiel der Muskeln auf seinem Rücken im gedämpften Licht, während er sich über Sarah auf der Kommode beugte und mit den Utensilien hantierte, weckte das altvertraute Ziehen in meinem Unterleib.

Ich sprang aus dem Bett, berührte mit den Fingern zärtlich die Narben, die an seinen Unfall von vor nun beinahe drei Jahren erinnerten.

Sarah lächelte Andreas an. Wie fast immer, fühlte sie sich bei ihm ebenso wohl wie bei mir - obwohl er ihr das, worauf ihr hauptsächliches Trachten gerichtet zu sein schien, gar nicht geben konnte. Aber gerade ich habe nicht die geringsten Probleme dabei nachvollziehen, wie sehr man Andreas lieben kann.

Zärtlich legte ich ihm die Arme um die Taille.

Im Gegensatz zu mir hatte er noch eine richtige Taille; eine ganz verführerisch schmale sogar. Ich hatte nach der Geburt zwar abgenommen, aber mein altes Gewicht würde noch lange auf sich warten lassen, wenn ich es denn überhaupt je wieder erreichte. Und meine Figur war trotz Rückbildungsgymnastik immer noch so wie im vierten, fünften Monat der Schwangerschaft. Was mich fürchterlich ärgerte, auch wenn es Andreas überhaupt nicht zu stören schien.
Wieder zurück im Bett, Sarah wie immer zwischen uns, kämpfte ich gegen den Schlaf; ich hatte eine solche Lust auf Andreas und sehnte mich danach, ihn zu lieben. Trotzdem schlief ich schon lange vor Sarah bereits wieder.

Die nun immerhin etwas Erbarmen mit uns hatte und sogar weiterschlief, als uns der Wecker um halb sieben aus dem Bett holte.

Was ich beschloß, sofort auszunutzen. Ich war so verrückt nach Andreas, und nachdem es keinen Dammschnitt oder –riß gegeben hatte und auch sonst alles in Ordnung war, hätten wir schon längst wieder miteinander schlafen können. Wenn wir die Zeit und Muße dazu gefunden hätten ...

Andreas bereitete den Tee und das Frühstück vor, ich packte Sarahs Tasche. Dann stellte er sich zuerst unter die Dusche, und ich sah den Hunger in seinen Augen, als ich zu ihm unter den warmen Strahl schlüpfte. Ohne jedes Vorspiel griff ich ihm in den Schritt. Daß er bereit war für mich, war deutlich zu sehen. Andreas stöhnte. Aber er fragte auch flüsternd, ob wir denn Sarah hören würden trotz des Wasserrauschens, wenn sie aufwachte. Darüber konnte ich ihn beruhigen. Als Mutter besitzt man Antennen, deren Leistungen über die normaler Ohren weit hinausgehen.

Ich drückte Andreas nach unten, schwang mich auf ihn. Er war so vorsichtig mit mir, als sei ich schwer krank - dabei hatte ich lediglich eine völlig problemlose Geburt hinter mir -, bis ich schließlich die Sache lachend und ungeduldig selbst in die Hand nahm.

Ihn endlich wieder in mir zu spüren, war ein so intensives Gefühl, daß ich aufschrie. Und schon meine ersten Bewegungen ließen auch ihn alles vergessen. Keuchend und mit geschlossenen Augen klammerte er sich an mich.

Er kam sehr schnell, wiederholte dabei mehrfach meinen Namen. Nach dieser langen Zeit der Enthaltsamkeit konnte ich ihm das kaum übelnehmen, wenn sein Durchhaltevermögen begrenzt war. Sofort danach stand er auf, half mir hoch, und seine Finger fanden den Weg und die richtigen Stellen ohne jede Mühe. Halb bewußtlos, stöhnend, hing ich an ihm, und mein Höhepunkt schien endlos zu dauern.

Kurze Zeit umarmten wir uns inmitten der feuchten Wärme, genossen es, den Körper des anderen überall so nahe zu fühlen.

Dann übernahm die Vernunft wieder die Herrschaft, und wir beeilten uns, die versäumte Zeit einzuholen.

Die Morgende waren nun etwas hektischer als vor Sarah, aber inzwischen hatte sich alles wenigstens einigermaßen eingespielt.

Und an diesem Tag wäre ich auch mit erheblich größerem Streß mühelos fertig geworden. Ich summte vor mich hin, fühlte mich wie der erwachende Frühling persönlich. Das Blut schien prickelnd in meinen Adern zu fließen, und mein ganzes Bewußtsein war von Andreas erfüllt.

Ihm ging es nicht anders.

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