zurück

Leseprobe: (Noch) ohne Titel

Alexander sieht ziemlich nervös aus. Ob er einen ebensolchen Aufstand um sein Outfit gemacht hat wie sie? Ebenso sinnlos im Kreis herumgelaufen ist, bis es endlich soweit war?
Kaum vorstellbar.

Andererseits, Männer sind schließlich auch bloß Menschen. Und seine Fingernägel sind jedenfalls kürzer als gestern. Also, eine Weile hat er sich schon damit beschäftigt, sich präsentabel zu machen; für sie.

Der Gedanke macht sie sicher, ruhig.
Sie streckt die Hand aus. "Dein Handy."
Er wirkt etwas erstaunt, geht aber zurück, gefolgt von ihr, nimmt es vom Tisch, gibt es ihr. Sie lässt es in ihrer Handtasche verschwinden.
"Und das andere stellst du aus." Mit etwas mehr Widerstreben drückt er einen Knopf, bis es leise piepst. "Es ist aus."

Schwungvoll wirfst sie das Cape ab, das sie extra ausgekramt und abgebürstet hat. Zu der Kleidung passt kein Mantel. Es sei denn, einer aus Leder; und so etwas besitzt sie nicht. Eine Weile sieht sie ihm lächelnd in die Augen, dann verneigt sie sich förmlich. "Alles Gute zum Geburtstag."

Wie am Tag zuvor, nutzt er die Gelegenheit; zieht sie an sich, hält sie fest. Unangenehm, nein, angenehm fest. Wirklich fest. Er ist in der Tat nervös. Und etwas durcheinander.
Bettina genießt es. Stocksteif ist sie erst noch, entspannt sich erst, als sie feststellt, er geht nicht weiter, umarmt sie nur. Er geht nicht auf Wanderschaft, erobert sie nicht gleich ganz, und er scheint seinen Hormonansturm im Griff zu haben.
Wahrscheinlich hat er kurz vorher noch für ein wenig Abhärtung gesorgt.

Unwillkürlich schließt sie die Augen, lehnt sich an. Sie atmen gegeneinander. Auch wenn er sich im Griff hat - sie wird, für ihre Person, das nicht mehr lange von sich behaupten können.

Sachte entzieht sie sich. "Möchtest du dein Geschenk nicht haben?"
Er lacht. "Ich habe es doch schon gefühlt. Nur ausgepackt habe ich es nicht - aber das wäre wohl auch etwas unpassend."

Ein strafender Blick von ihr lässt ihn grinsen. Nun ist es auf einmal sie, die verlegen ist. Sich mehrfach verflucht für ihren überstürzten Kauf gestern. Ihre Finger zur Ruhe zwingen muss, als sie ihm das neutrale schwarze Päckchen überreicht.

"Dein Ausflug allein gestern? Ich hatte das eigentlich nicht so gedacht, dass du mir etwas kaufen sollst. Allein dass du kommst ..."
"Mach es endlich auf," unterbricht sie ihn ungeduldig.

Er reißt das Papier auf. Man merkt, dass er zu den Männern gehört, die nur selten selbst etwas einpacken, ihre Sekretärin oder Freundin dafür haben. So sorglos gehen nur die mit kunstvollen Verpackungen um, die nicht wissen, wie viel Arbeit darin steckt.

Scharf zieht er die Luft ein, als er den Inhalt in Händen hält; die Handschellen.
Lange sagt er gar nichts.

Eiskalt rieselt es ihren Rücken hinunter. Hoffentlich war das jetzt nicht Taktlosigkeit hoch fünf. Sie weiß ja nicht einmal, ob er überhaupt etwas von ihr will außer ab und zu ihre Gesellschaft genießen. Weil sie etwas anders ist als die braven Tuckchen, die Charlotte ihm bisher besorgt ist. Weil sie ihn provoziert, überrascht.
Wer hat ihr, zum Teufel, eingeflüstert, dass es mehr ist, was er sich vorstellt?
Und selbst wenn er sich vielleicht auch ein Bettabenteuer erhofft - doch mit Sicherheit nicht so verbindlich, wie dieses Geschenk es andeutet und fordert.

Da ist sie wohl voll in einem Fettnäpfchen gelandet.

zurück